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Die bösen und die guten Feinde des Ideenmanagements

Nicht einmal zehn Prozent der Unternehmen betreiben ernsthaft Ideenmanagement – so hat das Handelsblatt uns zitiert (Haas 2018). Zugegeben: Das war einfach eine Schätzung, ein paar Kollegen aus Wissenschaft und Praxis fanden diese Zahl plausibel. Ob diese Zahl nun exakt stimmt oder nicht: Eine große Zahl von Organisationen nutzt in der Tat das Ideenmanagement nicht. Dafür gibt es gute und weniger gute Gründe. Beginnen wir mit den

bösen Feinden des Ideenmanagements

Hierzu gehören

– das „not invented here Syndrom”: Andere Organisationen mögen ja Erfolge mit dem Ideenmanagement einfahren. Aber hier, in unserer Organisation, da ist doch alles anders, da kann so etwas doch nicht funktionieren.

– die „jetzt ist nicht die richtige Zeit“ Ausrede: Ja, wir sollten uns mal um die Ideen der Mitarbeiter kümmern. Aber jetzt haben wir gerade die Auftragsbücher voll, jetzt müssen wir zunächst die Aufträge abarbeiten.

Wenn dann die Aufträge abgearbeitet sind, dann heißt es: Jetzt sind die Auftragsbücher leer, jetzt müssen wir zunächst neue Aufträge hereinholen.

Ja, ein Ideenmanagement verlangt zunächst eine Investition. Doch für jeden investierten Euro winken zwei bis drei Euro als Nutzen des Ideenmanagements – und wenn das Ideenmanagement gut gemanagt wird, dann ist mit noch höherem Nutzen zu rechnen (vgl. Schat 2017, S. 155 f.). Diese Investition lohnt sich!

– die Überzeugung, dass Chefs immer schlauer sind als Mitarbeiter. Warum sind schließlich Chefs zu Chefs geworden? Genau: Weil sie so schlau sind, und damit viel schlauer als ihre Mitarbeiter. Warum sollten Chefs also Ideen ihrer Mitarbeiter ernst nehmen? Einzige Antwort: Weil viele schlauer sind. „Keiner ist so klug wie alle“ titelte schon Günter Höckel (1964). Er hat immer noch recht.

Vermutlich fallen jedem Praktiker des Ideenmanagements weitere böse Feinde des Ideenmanagements ein. Doch es gibt auch die

guten Feinde des Ideenmanagements

– Auch wenn Ideenmanager dies nicht gerne hören: In manchen kleineren Organisationen entwickeln die Beschäftigten Ideen, schlagen Ideen vor und setzen sie um, ohne dass ein eigenes Management dafür notwendig wäre. Manche Führungskräfte reden mit ihren Mitarbeitern, ermutigen und motivieren sie zu Verbesserungen und unterstützen sie. Diese Organisationen brauchen kein formalisiertes Ideenmanagement.

– Digitalisierung – ok, Digitalisierung wird das Ideenmanagement nicht ersetzen. Aber wenn in einigen großen Organisationen sind Ideenmanager damit beschäftigt, Ideen aus einem Standort an andere Standorte zu versenden, zu prüfen, ob an anderer Stelle eingereichte Ideen auch am eigenen Standort funktionieren. Einige Ideenmanager bearbeiten Ideen, die eigentlich auch automatisch generiert werden könnten – etwa: Ein Produkt bei Lieferant A zu bestellen, der gleiche Produkt günstiger anbietet als Lieferant B.

Ideenmanagement wird durch die Digitalisierung radikal verändert – wie die Wirtschaft insgesamt auch. Wie dies genau geschieht, darauf haben die Ideenmanager selbst einen großen Einfluss (siehe Mühlbradt & Schat 2016).

Fazit

Ja, es gibt gute Gründe, warum eine (besonders: kleine) Organisation kein Ideenmanagement betreibt. Aber dies sind die seltenen Ausnahmen. Für die Masse der Organisationen gilt: Ein intelligent gestaltetes Ideenmanagement nutzt der Organisation und den Mitarbeitern. Und sollte trotz aller bösen Feinde ein- und umgesetzt werden.

 

Literatur

Haas, Christiane 2018: Kreativität mit System. Ideen der Beschäftigten sorgen nicht nur für mehr Effizienz im Betrieb. Auch die Motivation kann kräftig steigen. In: Handelsblatt vom 16.-18. März 2018, S. 50.

Höckel, Günter 1964: Keiner ist so klug wie alle. Düsseldorf & Wien: Econ.

Mühlbradt, Thomas & Schat, Hans-Dieter 2016: Der Ideenmanager in der Industrie 4.0. In: Ariane Jäckel, Christiane Kersting und Oliver Sträter (Hg.) 2016: Zukunftsorientiertes Ideenmanagement. Frankfurt am Main (Zentrum Ideenmanagement).

Schat, Hans-Dieter 2017: Erfolgreiches Ideenmanagement in der Praxis. Wiesbaden: Springer Gabler.

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