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Vorschläge aus dem eigenen Bereich?

Als das Betriebliche Vorschlagswesen Ende des 19. Jahrhunderts entwickelt wurde, herrschten klare Verhältnisse: Die Arbeiter arbeiten. Die Ingenieure und die Geschäftsführer dachten. Wenn, ausnahmsweise, ein Arbeiter dachte und einen guten Verbesserungsvorschlag entwickelte, dann war dies ein Fall für das Betriebliche Vorschlagswesen. Spätestens im Zweiten Weltkrieg war jeder aufgefordert, Verbesserungsvorschläge einzureichen. Nun begannen die Schwierigkeiten:
Einerseits ist ein Verbesserungsvorschlag eine Sonderleistung, deshalb wird er ja auch vergütet. Das setzt voraus, dass die Entwicklung dieses Verbesserungsvorschlags nicht Teil der Arbeitsaufgabe ist. Sonst würde ja die gleiche Arbeit doppelt vergütet.
Andererseits ist das Ideenmanagement ein Rationalisierungsinstrument. Vorschläge für größere Einsparungen werden die meisten Einreicher nur in Bereichen entwickeln, in denen sie sich auskennen. Wo kennt man sich aus? Im eigenen Arbeitsbereich.
Was passiert, wenn findige Menschen in ihrem eigenen Arbeitsbereich einen Verbesserungsvorschlag entwickeln, ihn aber nicht einreichen dürfen, weil der Vorschlag aus dem eigenen Arbeitsbereich kommt? Genau: Diese findigen Menschen finden Umwege, lassen den Vorschlag durch einen Kollegen einreichen, beschreiben die Idee so, dass sie nicht an den eigenen Arbeitsbereich denken lässt … und so wird der Vorschlag irgendwie doch eingereicht. Doch zumindest der Einreicher muss sich mehr Mühe machen.
Wozu das Ganze? Wenn ein Vorschlag zu kräftigen Einsparungen für die Organisation führt, dann muss er umgesetzt werden. Ja, manche Mitarbeiter versuchen immer wieder, für Vorschläge eine Prämie zu erhalten, die eigentlich ihre normale Arbeitsaufgabe sind. In der Praxis kommen solche Mitarbeiter selten vor. Und wenn sie vorkommen, dann ist das ein Alarmsignal. Ein solcher Mitarbeiter fühlt sich unfair bezahlt, zu wenig beachtet, erhalt zu wenig Wertschätzung, … Was hier nötig ist, ist ein Gespräch mit der Führungskraft, aber keine detaillierte Regelung.
Hier liegt sicherlich eine Stärke des Vorgesetzten-Modells: Der Vorgesetzte bemerkt schnell, wenn ein Mitarbeiter über das Ideenmanagement seltsame Vorschläge einreicht. Eine gute Führungskraft kann dann im Gespräch mit dem Mitarbeiter eine Lösung erarbeiten.
Was aber, wenn die Führungskraft keine gute Führungskraft ist? So ärgerlich dies ist – eine schlechte Führungskraft zu qualifizieren oder von ihrer Führungsaufgabe zu befreien, kann nicht Aufgabe des Ideenmanagements sein.
Also: Die grundsätzliche Frage, ob Vorschläge zum Aufgabenbereich der Einreicher gehören, sollte wenig Aufmerksamkeit erhalten. Wenn hier ernsthafte Probleme auftauchen, sind dies in aller Regel Führungsprobleme.
Was wirklich Aufmerksamkeit erhalten sollte ist die Frage: Wie kommen wir zu vielen guten Ideen? Dies alleine ist die Aufgabe des Ideenmanagers.

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