Blog Beitrag

Was sagt ein Strukturgleichungsmodell dem Ideenmanager?

Die Wissenschaft kommt im Bereich des Ideenmanagements nur langsam voran. Erst seit wenigen Jahren sind wieder umfangreichere Datensätze verfügbar. Damit können Zusammenhänge erkannt werden, die sich so in vielen Organisationen finden.

Bisher wurden Zusammenhänge zwischen zwei Variablen ausgewertet. Beispiel: Je intensiver der Ideenmanager als Prozess- und Methodencoach agiert desto höher ist der berechenbare Nutzen aus dem Ideenmanagement pro Mitarbeiter und Jahr in dieser Organisation.

Solche Zusammenhänge zwischen zwei Variablen sind sinnvoll, wenn es darum geht, den Nutzen von einzelnen Aktivitäten zu beurteilen. Doch wie sind die Zusammenhänge im Ideenmanagement insgesamt? Einen Überblick können Strukturgleichungsmodelle bieten.

Ein Strukturgleichungsmodell besteht aus mehreren Einfluss- und Ergebnisvariablen. Für dieses Beispiel-Modell sind die Einflussvariablen

•             allgemeine Aktivitäten des Ideenmanagements,

•             spezifische Aktivitäten des Ideenmanagements,

•             die Effektivität und Effizienz der Prozesse im Ideenmanagement und

Diese Einflussvariablen beeinflussen die Ergebnisse des Ideenmanagements. Doch kann man so etwas wie „allgemeine Aktivitäten des Ideenmanagements“ ja nicht direkt messen. Daher habe ich für jede dieser Einflussvariablen Indikatoren gesucht, die diese Einflussvariablen gut darstellen. Diese Indikatoren sind selbst messbar – mehr noch: Diese Indikatoren wurden in der empirischen Erhebung Ideenmanagement Studie 2018 erhoben.

Die Indikatoren für diese Einflussvariablen sind

allgemeine Aktivitäten des Ideenmanagements:

o             Aktive Elemente

o             Zielvereinbarungsprozesse

o             Unterstützung durch das Topmanagement

o             Changemanagement-Aktivitäten begleiten das Ideenmanagement

spezifische Aktivitäten des Ideenmanagements:

o             Workshops

o             IdeenSprints

o             Wertschätzung der Prozessbeteiligten

die Effektivität und Effizienz der Prozesse im Ideenmanagement

o             Sonstige Beschäftigte im Ideenmanagement pro 1.000 Beschäftigte

o             Realisierte Ideen pro Mitarbeiter

o             Ideen pro Mitarbeiter

Das Ergebnis des Ideenmanagements ist ebenfalls nicht direkt messbar, es setzt sich zusammen aus

•             Beteiligungsquote

•             Realisierungsquote

•             Berechenbarer Nutzen pro Mitarbeiter

Das errechnete Modell stellt sich wie folgt dar:

Abbildung 1:      Strukturgleichungsmodell (eigene Darstellung, Daten nach Landmann & Schat 2018).

Im nächsten Schritt errechnet nun ein Computerprogramm die Stärke der Einflüsse, ich habe R Version 3.5.2 und das Paket plspm verwendet.

Die Resultate sehen so aus:

Abbildung 2:      Strukturgleichungsmodell mit Stärke des Einflusses (eigene Darstellung, Daten nach Landmann & Schat 2018).

Die Zahlen an den Pfeilen geben die Stärke des Einflusses an. In unserem Modell ist der Einfluss in jedem Fall positiv. Dann kann die Stärke einen Wert zwischen 0 und 1 einnehmen. 0 bedeutet: Kein Einfluss, 1 bedeutet einen maximalen Einfluss.

Die allgemeinen Aktivitäten (Aktive Elemente, Zielvereinbarungsprozesse, Unter-stützung durch das Topmanagement, Changemanagement-Aktivitäten begleiten das Ideenmanagement) sind eher langfristig ausgerichtet und zeigen nur einen geringen direkten Einfluss auf die Ergebnisse des Ideenmanagements. Jedoch beeinflussen sie die spezifischen Aktivitäten (Workshops, IdeenSprints, Wertschätzung der Prozessbeteiligten), die sich wieder vornehmlich auf die Effektivität und Effizienz des Prozesses (Sonstige Beschäftigte im Ideenmanagement pro 1.000 Beschäftigte, Realisierte Ideen pro Mitarbeiter, Ideen pro Mitarbeiter) auswirken.

Die Zusammenhänge auf dem Pfad allgemeine Aktivitäten -> spezifische Aktivitäten -> Effektivität und Effizienz des Prozesses -> Ergebnis sind relativ stark. Alle anderen Zusammenhänge sind deutlich schwächer.

Dieses Ergebnis kann praktisch angewendet werden: Wenn Organisationen all-gemeine Aktivitäten zur Verbesserung des Ideenmanagements einsetzen, dann sind sofortige Ergebnisse nicht zu erwarten. Die Entwicklung einer verbesserungs- und beteiligungsfreundlichen Organisationskultur braucht Zeit. Umgekehrt: Wenn in einer Organisation spezifische Aktivitäten nicht wirken, dann kann es sein, dass der Rahmen durch allgemeine Aktivitäten noch nicht geschaffen wurde.

Konkret ist also bei der Verbesserung eines Ideenmanagementsystems zu vermuten, dass sich die Verbesserungen auch zeitlich an diesem Pfad orientieren. Zunächst ist demnach eine Verbesserung in den Kennzahlen der allgemeinen Aktivitäten zu erwarten, danach in den spezifischen Aktivitäten, dann in den Kenn-zahlen für die Effektivität und die Effizienz der Prozesse und schließlich auch in den Ergebnissen des Ideenmanagements.

Literatur

Landmann N, Schat HD (2018) Ideenmanagement Studie 2018. Eschborn: HLP.

Schat HD (2017) Erfolgreiches Ideenmanagement in der Praxis. Wiesbaden: Springer Gabler.

LEAVE A COMMENT

theme by teslathemes