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Nützen hohe Prämien für rechenbare Ideen?

Eine der häu­fi­gen Fra­gen, die unter Ide­en­ma­na­gern dis­ku­tiert wer­den: Nützt eine hohe Prä­mie?

Nach dem aktu­el­len Stand der Dis­kus­si­on muss man wohl sagen: Es kommt dar­auf an. Nicht in jedem Unter­neh­men und für jedes Ziel nützt eine hohe Prä­mie, aber manch­mal nützt sie schon.

Schau­en wir uns die aktu­el­le Daten­la­ge an. Um die­sen Blog-Bei­trag nicht zu umfang­reich wer­den zu las­sen möch­te ich mich hier auf die Prä­mi­en für Ide­en und Ver­bes­se­rungs­vor­schlä­ge mit bere­chen­ba­rem Nut­zen beschrän­ken.

Die empi­ri­sche Basis sind Daten aus der Erhe­bung „Erfolgs­fak­to­ren im Ide­en­ma­nage­ment“, die die FOM Hoch­schu­le für Oeko­no­mie und Manage­ment gemein­sam mit der HLP Infor­ma­ti­ons­ma­nage­ment GmbH durch­führt. Die Daten der bei­den Wel­len 2016 und 201718 wur­den zusam­men­ge­führt. Die zwei­te Erhe­bungs­wel­le ist zum Zeit­punkt, an dem die­ser Text fer­tig gestellt wur­de, noch nicht abge­schlos­sen, ein­be­zo­gen wur­den alle Daten, die bis zum 15. Dezem­ber 2017 ein­ge­ge­ben waren. Bei Unter­neh­men, die sich an bei­den Wel­len betei­ligt haben, wur­den die Daten der letz­ten Wel­le ver­wen­det. Damit steht ein Daten­satz mit Anga­ben zu 188 Unter­neh­men und ihrem Ide­en­ma­nage­ment zur Ver­fü­gung, dies ist mei­nes Wis­sens nach der größ­te aktu­el­le Daten­satz zum Ide­en­ma­nage­ment im deutsch­spra­chi­gen Raum.

Zunächst die Fra­ge: Wel­che Prä­mi­en geben Unter­neh­men für Ide­en? Wie hoch ist der Prä­mi­en­satz im Durch­schnitt? Bei Durch­sicht der Anga­ben fie­len eini­ge Unter­neh­men mit einem Prä­mi­en­satz von über 300 Pro­zent auf. Ein solch hoher Prä­mi­en­satz ist unplau­si­bel und wur­de daher nicht in die fol­gen­den Aus­wer­tun­gen auf­ge­nom­men. So ergibt sich fol­gen­de Ver­tei­lung.

Der höch­ste Prä­mi­en­satz ist immer noch 280 Pro­zent – das zeigt ein Dilem­ma des Sta­ti­sti­kers: Wo soll die Gren­ze lie­gen, jen­seits derer Anga­ben als unplau­si­bel aus der Aus­wer­tung her­aus­ge­nom­men wer­den sol­len? In den Lehr­bü­chern fin­det man sicher­lich kei­ne Prä­mi­en­sät­ze über 100 Pro­zent, doch in den Daten sind eini­ge Unter­neh­men ver­zeich­net, die die­sen Prä­mi­en­satz ange­ben. Eini­ge Unter­neh­men legen gro­ßen Wert auf eine hohe Betei­li­gung. Es ist zumin­dest denk­bar, dass die­se Unter­neh­men ein Mehr­fa­ches des Nut­zens als Prä­mie ver­ge­ben. Letzt­end­lich ist die Gren­ze von 300 Pro­zent will­kür­lich, aber ich ken­ne kei­nen weni­ger will­kür­li­chen Wert. Wenn Sie einen plau­si­ble­ren Wert ken­nen: Bit­te schrei­ben Sie ger­ne in die Kom­men­ta­re!

Der Medi­an ist 16 Pro­zent, also ver­gibt die Hälf­te der Unter­neh­men einen Prä­mi­en­satz unter (oder gleich) 16 Pro­zent und die ande­re Hälf­te gibt 16 Pro­zent oder mehr als Prä­mi­en­satz an. Dies erscheint plau­si­bel.

Die mei­sten Unter­neh­men ver­fol­gen mit ihrem Ide­en­ma­nage­ment wirt­schaft­li­che Zie­le und /​oder human­ori­en­tier­te Zie­le. Die wirt­schaft­li­chen Zie­le wer­den in Euro rechen­ba­rem Nut­zen pro Mit­ar­bei­ter und Jahr ange­ge­ben. Auch hier zunächst die gra­fi­sche Dar­stel­lung:

Auch hier fal­len zunächst Aus­rei­ßer auf: Knapp 20.000 Euro rechen­ba­rer Nut­zen pro Mit­ar­bei­ter und Jahr mögen im Ein­zel­fall vor­kom­men, auch Wer­te von 5000 Euro sind sicher Aus­nah­men, aber viel­leicht in ein­zel­nen Jah­ren oder beson­de­ren Kon­stel­la­tio­nen mög­lich. Alle die­se beson­ders hohen Ein­spa­run­gen fin­den sich bei Unter­neh­men, die einen eher gerin­gen Prä­mi­en­satz ange­ben.

Die Gra­fik zeigt anson­sten kein spe­zi­fi­sches Muster. Es fin­den sich Unter­neh­men mit hoher Ein­spa­rung und gerin­gem Prä­mi­en­satz und Unter­neh­men mit hoher Ein­spa­rung und hohem Prä­mi­en­satz. Eben­so erschei­nen gerin­ge Ein­spa­run­gen gemein­sam mit hohen und mit nied­ri­gen Prä­mi­en­sät­zen. In der gra­fi­schen Aus­wer­tung scheint es kaum einen Zusam­men­hang zwi­schen Prä­mi­en­hö­he für rechen­ba­re Vor­schlä­ge und dem rechen­ba­ren Nut­zen pro Mit­ar­bei­ter und Jahr zu geben.

Neh­men wir das zwei­te Ziel. Das Errei­chen von human­ori­en­tier­ten Zie­len im Ide­en­ma­nage­ment wird mit der Betei­li­gungs­quo­te gemes­sen.

Bei der Betei­li­gungs­quo­te sind kei­ne Aus­rei­ßer zu beob­ach­ten. Mehr als 100 Pro­zent Betei­li­gung sind nicht mög­lich und wur­den auch nicht ange­ge­ben. Bei der Betrach­tung der Gra­fik fällt auf, dass kei­ne Unter­neh­men eine sehr gro­ße Prä­mi­en­hö­he und eine hohe Betei­li­gungs­quo­te ange­ge­ben haben. Ein mög­li­cher Grund könn­te dar­in lie­gen, dass Unter­neh­men mit gro­ßer Prä­mi­en­hö­he gezielt ihre Exper­ten anspre­chen und mit weni­gen, aber hoch­qua­li­fi­zier­ten Ein­rei­chern und weni­gen, aber aus­ge­feil­ten Ide­en zu einem hohen Nut­zen mit gerin­ger Betei­li­gungs­quo­te kom­men – dies ist aber nur eine Ver­mu­tung. Anson­sten fin­den sich hohe Prä­mie mit gerin­ger Betei­li­gung sowie gerin­ger Prä­mie mit gerin­ger wie auch mit hoher Betei­li­gung gekop­pelt. Die gra­fi­sche Aus­wer­tung lässt auch für die Betei­li­gungs­quo­te nur einen gerin­gen Zusam­men­hang mit der Prä­mi­en­hö­he für rechen­ba­re Vor­schlä­ge ver­mu­ten.

Sehen wir uns abschlie­ßend die Zusam­men­hän­ge in der Heat­map an. Hier zei­gen blaue Farb­tö­ne einen posi­ti­ven Zusam­men­hang an (je mehr von einer Varia­blen, desto mehr ten­den­zi­ell von der ande­ren Varia­blen) und rote Far­ben zei­gen einen nega­ti­ven Zusam­men­hang an. Inten­si­ve Far­ben stel­len einen star­ken Zusam­men­hang dar, blas­se Far­ben zei­gen einen schwa­chen Zusam­men­hang.

Wie nach den gra­fi­schen Aus­wer­tun­gen zu erwar­ten war, fin­den sich hier nur sehr blas­se Far­ben: Die Zusam­men­hän­ge sind eher locker.

Ten­den­zi­ell hän­gen hoher rechen­ba­rer Nut­zen und gerin­ge Prä­mi­en­hö­he zusam­men: Es scheint, dass man mit hoher Prä­mie (allei­ne) nicht unbe­dingt einen hohen wirt­schaft­li­chen Nut­zen des Ide­en­ma­nage­ments „kau­fen“ kann.

Umge­kehrt sieht es bei der Betei­li­gungs­quo­te aus: Hier hän­gen hohe Betei­li­gungs­quo­te und hohe Prä­mi­en ten­den­zi­ell zusam­men. Ange­sichts der nur schwa­chen Ein­fär­bung soll­te auch die­ser Zusam­men­hang mit Vor­sicht inter­pre­tiert wer­den.

Als Zwi­schen­er­geb­nis ist also fest­zu­hal­ten: Eine hohe Prä­mie führt nicht auto­ma­tisch zu hohem rechen­ba­ren Nut­zen oder zu einer gro­ßen Betei­li­gung der Beschäf­tig­ten am Ide­en­ma­nage­ment. Eine hohe Prä­mie führt aber auch nicht auto­ma­tisch zu schlech­ten Ergeb­nis­sen im Ide­en­ma­nage­ment.

Die effek­ti­ven Hebel, mit denen ein Ide­en­ma­nage­ment ver­bes­sert wer­den kann, sind offen­kun­dig ande­re als die Prä­mi­en­hö­he.

Für Aus­wer­tun­gen wie die hier prä­sen­tier­te, und für wei­te­re und tie­fer­ge­hen­de Ana­ly­sen, benö­ti­gen wir Daten. Hier­zu füh­re ich füh­ren wir mit dem Soft­ware­haus HLP eine Umfra­ge durch: https://​www​.sur​vey​m​on​key​.de/​r​/​C​Q​W​N​YKW

Die in die­sem Blog-Bei­trag prä­sen­tier­ten Daten sind ein Zwi­schen­stand der Befra­gung. Ich wür­de mich freu­en, wenn Sie sich an der Befra­gung betei­li­gen. Es hilft bereits, wenn Sie nur eini­ge Daten ange­ben, wenn Ihnen die ein oder ande­re Kenn­zahl fehlt, dann über­sprin­gen eben die ent­spre­chen­de Fra­ge. Wenn Sie den Namen Ihres Unter­neh­mens nicht ange­ben möch­ten, weil dies durch unter­neh­mens­in­ter­ne Regeln unter­sagt ist, dann geben Sie eben „x“ als Fir­men­na­me an. Und falls jemand unsin­ni­ge Daten ein­ge­ben möch­te: Alle Ein­ga­ben wer­den auf Plau­si­bi­li­tät über­prüft und sinn­lo­se Ein­ga­ben wer­den vor der Aus­wer­tung gelöscht.

Für Fra­gen, Anre­gun­gen, Ver­bes­se­run­gen nut­zen Sie bit­te ger­ne die Kom­men­tarfun­ti­on.

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