Das Werk von Tere­sa Ama­bi­le ist im deutsch­spra­chi­gen Raum kaum bekannt. Die­ses Video stellt eini­ge ihrer Grund­kon­zep­te vor.

Tere­sa Ama­bi­le lehr­te Krea­ti­vi­tät, Krea­ti­vi­täts­ma­nage­ment und Lea­dership an der Har­vard Busi­ness School. Ihr „Fort­schritt-Prin­zip“ fand inter­na­tio­nal brei­te Beach­tung, in Deutsch­land hin­ge­gen kennt man sie kaum. Ein Grund ist, dass ihr Haupt­werk „The Pro­gress Princip­le“ nicht ins Deut­sche über­setzt wurde.

Ama­bi­le wur­de 1950 gebo­ren, stu­dier­te Che­mie und ist Dok­to­rin der Psy­cho­lo­gie und Pro­fes­so­rin für Betriebs­wirt­schaft – also so inter­dis­zi­pli­när, wie es Inno­va­ti­ons­for­scher oft sind.

Im Fokus von Ama­bi­les Über­le­gun­gen ste­hen nicht die pro­fes­sio­nel­len For­scher und Ent­wick­ler, son­dern die Krea­ti­vi­tät von ganz nor­ma­len Beschäftigten.

Einen ent­schei­den­den Ein­fluss hat hier das „inne­re Leben“ der Beschäf­tig­ten, sozu­sa­gen das „inne­re Arbeits­le­ben“. Dar­un­ter fasst Ama­bi­le die Emp­fin­dun­gen, Wahr­neh­mun­gen und die Moti­va­ti­on von Beschäf­tig­ten zusammen.

Dar­aus ent­wickelt Ama­bi­le ein klas­si­sches Input-Pro­zess-Out­put Modell.

Dabei kann Ama­bi­le eini­ge Zusam­men­hän­ge bewei­sen, die Sie ver­mut­lich auch schon ver­mu­tet hät­ten. Bei­spiels­wei­se führt posi­ti­ve Stim­mung zu höhe­rer Krea­ti­vi­tät, schlech­te­re Stim­mung ver­schlech­tert auch die krea­ti­ve Lei­stung. Gute Stim­mung hält eine Wei­le vor: Gute Stim­mung heu­te sorgt auch für mehr Krea­ti­vi­tät mor­gen. Glei­ches gilt für die Wahr­neh­mung: Wenn Beschäf­tig­te ihre Orga­ni­sa­ti­on und ihre Füh­rungs­kräf­te als koope­ra­tiv, offen für neue Ideen und inno­va­ti­ons­freu­dig wahr­neh­men, dann ent­wickeln sie auch mehr und bes­se­re Innovationen.

Star­ke intrin­si­sche Moti­va­ti­on führt zu mehr und bes­se­rer Inno­va­ti­ons­lei­stung als extrin­si­sche Moti­va­ti­on, aber extrin­si­sche Moti­va­ti­on ist immer noch bes­ser als gar kei­ne Innovation.

Die­se Fak­to­ren för­dern Inno­va­ti­on. Die glei­chen Fak­to­ren för­dern auch Pro­duk­ti­vi­tät und die Zusam­men­ar­beit in der Organisation.

Gefüh­le, Wahr­neh­mun­gen und Moti­va­ti­on kann zwei Quel­len haben: Die direk­te Arbeits­um­ge­bung, also die Kol­le­gen und Füh­rungs­kräf­te, mit denen man direkt zusam­men­ar­bei­tet und die Orga­ni­sa­ti­on als Gan­zes, also die Kul­tur der Orga­ni­sa­ti­on und das Ver­hal­ten der obe­ren Füh­rungs­kräf­te. Beson­ders posi­tiv wir­ken sich Unter­stüt­zung und Frei­räu­me aus. Beson­ders hin­der­lich ist Zeit­druck, oder Druck über­haupt. Der Effekt von Zeit­druck kann auf­ge­ho­ben wer­den, wenn Krea­ti­vi­täts­tech­ni­ken oder all­ge­mein: Rou­ti­nen im Umgang mit Zeit­druck eta­bliert wurden.

Wor­in unter­schei­den sich nun „gute“ von „schlech­ten“ Tagen bei der Arbeit? Ama­bi­le hat einen zen­tra­len Fak­tor her­aus­ge­ar­bei­tet: An guten Tagen haben die Beschäf­tig­ten einen Fort­schritt bei ihrer Arbeit gemacht. Das kann ein Fort­schritt gewe­sen sein, der für die Arbeit, etwas für ein Pro­jekt, wich­tig war. Manch­mal ist es aber nur ein klei­nes Detail, das plötz­lich funktioniert.

Umge­kehrt waren die „schlech­ten“ Tage von Rück­schlä­gen bei der Arbeit gekennzeichnet.

Ama­bi­le hat Beschäf­tig­te gebe­ten, Tage­buch über ihr Arbeits­le­ben zu erstel­len, und die ins­ge­samt 12.000 Tage­buch­ein­trä­ge ausgewertet

Deut­lich wird: Ein ein­fa­ches Ein­ga­be-Pro­zess-Aus­ga­be-Modell passt hier nicht. Die Aus­ga­be ist der Fort­schritt bei der Arbeit, und der geht wie­der als Ein­ga­be in das „inne­re Leben“ der Beschäf­tig­ten ein.

Die Fort­schrit­te bei der Arbeit füh­ren dann auch zum Unter­ti­tel des Buches, das Ama­bi­le gemein­sam mit ihrem Mann und Kol­le­gen Ste­ven Kra­mer geschrie­ben hat: „Das Fort­schritt-Prin­zip. Klei­ne Gewin­ne nut­zen, um Freu­de, Enga­ge­ment und Krea­ti­vi­tät bei der Arbeit zu erzeugen“.

Quel­len:

Ama­bi­le T M 2017 In Pur­su­it of Ever­y­day Crea­ti­vi­ty. Har­vard Busi­ness School Working Paper 18 – 002.

Ama­bi­le T M, Had­ley C N, Kra­mer S J 2002 Crea­ti­vi­ty Under the Gun. In: Har­vard Busi­ness Review August 2002.

Ama­bi­le T M, Kra­mer S J 2007 Inner Work Life: Under­stan­ding the Sub­text of Busi­ness Per­for­mance. In: Har­vard Busi­ness Review May 2007.

Ama­bi­le T M, Kra­mer S J 2011 The Pro­gress Princip­le. Bos­ton, Mas­sa­chu­setts: Har­vard Busi­ness Review Press.

Schlagwörter: