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Ideenmanagement und Vorschlagswesen in Behörden 2

Das Ide­en­ma­nage­ment ist nicht in einem zen­tra­len Gesetz gere­gelt. Für Orga­ni­sa­tio­nen, die dem Betriebs­ver­fas­sungs­ge­setz unter­lie­gen, fin­det sich eine zen­tra­le Rege­lung in § 87 Abs. 1 Nr. 12 BetrVG: „Der Betriebs­rat hat, soweit eine gesetz­li­che oder tarif­li­che Rege­lung nicht besteht, in fol­gen­den Ange­le­gen­hei­ten mit­zu­be­stim­men: […]
12. Grund­sät­ze über das betrieb­li­che Vor­schlags­we­sen“.
Für die Bun­des­ver­wal­tung wur­de 2010 die „Rah­men­richt­li­nie für das Ide­en­ma­nage­ment in der Bun­des­ver­wal­tung“ erlas­sen, die eini­ge Berei­che (z. B.: die Prä­mi­en­be­rech­nung) recht genau regelt, ande­re Berei­che (z. B. die Pro­zes­se im Ide­en­ma­nage­ment selbst) nur grob umreißt.
Schließ­lich hat der Bun­des­rech­nungs­hof 2016 die „Abschlie­ßen­de Mit­tei­lung an das Bun­des­mi­ni­ste­ri­um des Innern über die Prü­fung Ide­en­ma­nage­ment in der Bun­des­ver­wal­tung“ ver­öf­fent­licht. Hier kommt der Bun­des­rech­nungs­hof zur Erkennt­nis: „Die Betei­li­gung am Ide­en­ma­nage­ment war mit durch­schnitt­lich vier Ide­en pro 100 Beschäf­tig­ten und Jahr sehr gering. Sie muss gestei­gert wer­den, damit das Ide­en­ma­nage­ment aus­rei­chend Wir­kung ent­fal­ten kann, um die Wirt­schaft­lich­keit des Ver­wal­tungs­han­delns zu ver­bes­sern.“ (a. a. O., S. 4)

Die Befra­gung von Land­mann et al. 2016 ergab als Medi­an für die Betei­li­gungs­quo­te 20%. Die­ser Medi­an ist also die typi­sche Betei­li­gungs­quo­te: Eine Hälf­te der Befrag­ten gibt 20% oder weni­ger als Betei­li­gungs­quo­te an, die ande­re Hälf­te der Befrag­ten gibt 20% oder mehr als Betei­li­gungs­quo­te an. Wenn alle Ide­en der Bun­des­ver­wal­tung von unter­schied­li­chen Beschäf­tig­ten ein­ge­reicht wor­den wären, dann wäre dies eine Betei­li­gungs­quo­te von vier Pro­zent – in der Tat: Hier ist, häu­fig mit ein­fa­chen Mit­teln, eine deut­li­che Stei­ge­rung mög­lich.
„Der Anteil der abge­lehn­ten Ide­en an den ein­ge­reich­ten Ide­en [in der Bun­des­ver­wal­tung] lag durch­schnitt­lich bei 75 %.“ (Bun­des­rech­nungs­hof 2016, S. 4) Auch hier­zu lie­gen aus der Befra­gung von Land­mann et al. 2016 aktu­el­le Ver­gleichs­wer­te vor.

Hier liegt der Medi­an der Rea­li­sie­rungs­quo­te bei 45% und das erste Quar­til über 20% — d. h. nur in etwa einem Vier­tel der befrag­ten Orga­ni­sa­tio­nen wer­den so vie­le Ver­bes­se­rungs­vor­schlä­ge abge­lehnt wie in der Bun­des­ver­wal­tung.
Spe­zi­fisch für das Qua­li­täts­ma­nage­ment in Behör­den wur­de das CAF – Com­mon Assess­ment Frame­work aus dem EFQM-Modell her­aus ent­wickelt. „Der wich­tig­ste Grund war­um sich Orga­ni­sa­tio­nen für den CAF und nicht ein ande­res Qua­li­täts­ma­nage­ment­sy­stem ent­schei­den, ist die Ein­be­zie­hung der Mit­ar­bei­te­rIn­nen.“ (Trop­per-Malz et al. 2015, S. 13). Hier sind nicht nur ein­ma­li­ge Work­shops wich­tig und not­wen­dig. Die Mit­ar­bei­te­rIn­nen sol­len grund­sätz­lich und nach­hal­tig ein­be­zo­gen wer­den, was durch Ide­en­ma­nage­ment effek­tiv und in Über­ein­stim­mung mit den Zie­len des CAF mög­lich ist. Über 2000 Orga­ni­sa­tio­nen wen­den das CAF-Modell an (Flatz 2013, S. 5).

Am 13. März 2018 hal­te ich gemein­sam mit Prof. Gott­fried Richen­ha­gen für den Behör­den­spie­gel ein Semi­nar zum The­ma “Ide­en­ma­nage­ment und Vor­schlags­we­sen in Behör­den”. Pro­gramm

Literatur

Schat, Hans-Die­ter 2016: Ide­en­ma­nage­ment als Kul­tur­ar­beit. In: Buchen­au, Peter /​Geß­ner, Moni­ka /​Geß­ner, Chri­sti­an /​Köl­le, Axel (Hg.) 2016: Chef­sa­che Nach­hal­tig­keit. Pra­xis­bei­spie­le aus Unter­neh­men. Wies­ba­den (Sprin­ger Gab­ler), S. 299 – 314.
Trop­per-Malz, Ber­na­det­te /​Prorok, Tho­mas 2015: CAF-Anwen­dun­gen in Öster­reich. Wien (KDZ Manage­ment­be­ra­tungs- und Wei­ter­bil­dungs GmbH).
Kob­lank, Peter 2017: BVW-Bench­mar­king. Mit weni­gen, ein­fa­chen Kenn­zif­fern zu einer aus­sa­ge­fä­hi­gen Sta­ti­stik. www​.kob​lank​.com/​b​e​s​t​o​f​k​o​b​l​a​n​k​.​htm zuge­grif­fen am 24. Juli 2017.
Flatz, Ange­li­ka 2013: Vor­wort von Sek­ti­ons­chefin Mag.a Ange­li­ka Flatz. In: Kal­lin­ger, Micha­el /​Prorok, Tho­mas /​Trop­per-Malz, Ber­na­det­te: CAF 2013. Ver­bes­se­rung öffent­li­cher Orga­ni­sa­tio­nen durch Selbst­be­wer­tung mit dem Com­mon Assess­ment Frame­work. Wien (Bun­des­mi­ni­ste­rin für Frau­en und Öffent­li­chen Dienst im Bun­des­kanz­ler­amt Öster­reich).

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